Vom Mythos der perfekten Ernährung


    Kolumne – Authentisch. Ehrlich. Praxisnah.


    (Bilder: zVg) Simone Wietlisbach, Inhaberin und Geschäftsführerin der ParaMediForm AG

    Werte Leserschaft,

    Ernährung ist kein Glaubensbekenntnis. Sie ist Biochemie. Und sie ist persönlich.

    Energie – die zentrale Aufgabe unserer Ernährung
    Im Kern geht es um die wichtigste Aufgabe unserer Ernährung: Energie bereitzustellen. Für unser Herz. Unser Gehirn. Unsere Muskeln. Für jeden einzelnen Atemzug. Diese Energie beziehen wir vor allem aus Kohlenhydraten und Fetten – zwei Nährstoffen, die lange Zeit gegeneinander ausgespielt wurden.

    Nach klassischer Lehrmeinung bevorzugt unser Körper Kohlenhydrate. Sie lassen sich rasch in Energie umwandeln. Muskeln, Gehirn und Nervensystem arbeiten mit ihnen effizient. Zunächst füllen sie die Glykogenspeicher in Leber und Muskulatur. Was darüber hinausgeht, wird gespeichert – als Fett.

    Fette hingegen gelten als langfristiger Energiespeicher. Sie werden bevorzugt dann genutzt, wenn andere Nährstoffe den Bedarf nicht decken. In Zeiten knapper Versorgung sind sie überlebenswichtig. Bei dauerhaftem Übermass jedoch landen auch sie dort, wo wir sie meists nicht haben wollen: an Bauch und Hüften.

    Der vermeintliche «Bösewicht»
    Heute wissen wir: Die Frage nach dem «Bösewicht» führt in die Irre. Weder Fett noch Kohlenhydrate sind per se problematisch. Entscheidend sind Menge, Qualität – und Verfügbarkeit. Und genau hier kommt ein zentrales Hormon ins Spiel: Insulin.

    Insulin reguliert unseren Blutzuckerspiegel. Steigt dieser nach einer Mahlzeit an, sorgt Insulin dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Dort wird er als Energie genutzt oder gespeichert. Insulin ist kein Gegner. Es ist ein fein abgestimmter Regulator.

    Wenn Blutzucker Achterbahn fährt
    Doch: Häufige starke Blutzuckerspitzen – etwa durch schnell verfügbare Kohlenhydrate mit hohem glykämischem Index (GLYX) – führen zu wiederholten hohen Insulinausschüttungen. Und Insulin ist auch ein Speicherhormon. Es begünstigt die Fettspeicherung und hemmt zeitgleich die Fettverbrennung.

    Für Menschen mit einer ausgeprägten Kohlenhydratempfindlichkeit kann genau das zum Problem werden. Sie reagieren sensibler auf Blutzuckerschwankungen. Für sie reicht es nicht, lediglich fettbewusst zu essen. Sie müssen zugleich kohlenhydratbewusst handeln. Das richtige Nährstoffverhältnis wird zum Schlüssel.

    Jeder Stoffwechsel arbeitet anders
    Und hier wird es wirklich spannend. Denn nicht jeder Stoffwechsel arbeitet gleich.

    Die moderne Stoffwechseltyp-Lehre beschreibt unterschiedliche Verbrennungsmuster. Der sogenannte Schnellverbrenner – häufig mit einer stärkeren Sympathikus-Aktivität – kommt mit einem höheren Anteil an Kohlenhydraten oft gut zurecht. Sein Stoffwechsel arbeitet dynamisch.

    Der Parasympathikustyp hingegen kann Fette effizienter verwerten und profitiert häufig von einer angepassten Fettzufuhr bei moderater Kohlenhydratmenge.

    Der Langsamverbrenner wiederum nutzt Kohlenhydrate besonders gut, wenn sie mit ausreichend Eiweiss kombiniert werden – während Fett eher reduziert wird. Eiweiss wirkt stabilisierend auf den Blutzucker, verlängert die Sättigung und sorgt für eine gleichmässigere Energieabgabe.

    Was bedeutet das für den Alltag?
    Es bedeutet, dass pauschale Empfehlungen selten dauerhaft funktionieren. Es bedeutet, dass eine Ernährung dann nachhaltig wirkt, wenn sie zum individuellen Stoffwechsel passt. Und es bedeutet, dass Insulin nicht bekämpft, sondern verstanden werden sollte.

    Der Ansatz der ParaMediForm-Ernährungsmethode
    Genau hier setzt die ParaMediForm-Ernährungsmethode an. Sie ist darauf spezialisiert, Menschen entsprechend ihrer individuellen Stoffwechselsituation zu begleiten. Statt starrer Diätpläne steht die persönliche Analyse im Mittelpunkt. Ziel ist es, das passende «Brennstoffgemisch» zu finden – abgestimmt auf Kohlenhydratverträglichkeit, Fettverwertung und Eiweissbedarf. Dabei geht es nicht um Verzicht um jeden Preis. Sondern um Steuerung. Um Stabilisierung des Blutzuckers. Um bewusste Lebensmittelauswahl. Um Qualität statt blosser Kalorienzählerei.

    Wissen statt Verbote
    Eine solche Herangehensweise ist ehrlich. Sie anerkennt, dass Übergewicht selten auf fehlende Disziplin reduziert werden kann. Oft ist es eine Frage der hormonellen Regulation, der Stoffwechselbalance – und des falschen Nährstoffverhältnisses.

    Wer versteht, wie GLYX und Insulin zusammenwirken, erkennt: Gewicht ist kein Zufall. Energie ist kein Mysterium. Und nachhaltige Veränderung beginnt nicht mit Verboten, sondern mit Wissen.

    Ernährung darf klar sein. Sie darf strukturiert sein. Und sie darf sich gut anfühlen.

    Am Ende geht es nicht darum, weniger zu essen. Sondern darum, für den eigenen Körper das Richtige zu essen.

    Guten Appetit!


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